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GRAVITATIONSBIOLOGIE

Forschung im Weltraum und auf der Erde

"Frühe Prozesse der Schwerkraftwahrnehmung im Modellsystem Chara und in Höheren Pflanzen - Untersuchungen in Mikrogravitation und auf der Erde" gefördert von BMBF durch DLR

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Institut für Molekulare Physiologie und Biotechnologie der Pflanzen

 

INSTITUT FÜR CHEMIE UND DYNAMIK DER GEOSPHÄRE  ICG III

 
A300 Parabel

8. DLR Parabelflugkampagne

15. - 21. Mai 2006, Flughafen Köln/Bonn

Projekt: CHARABOLIX 5

Wissenschaftliche Zielsetzung
 Experiment-beschreibung  
 Literatur  

 

Charakterisierung der Schwerkraftsensoren
in Keimwurzeln von Arabidopsis thaliana

Tagebuch der Kampagne

28.05.2006+++ Letzter Flugtag

kaum zu glauben, dass schon wieder eine Kampagne zu Ende ist. Insa ist heute unser special guest. Trotz gelegentlicher Orientierungslosigkeit während der 11 Parabeln meistert sie ihre Aufgaben vorbildlich. Nach den fünf Flugtagen sind wir begeistert von der Qualität der Videobilder und der guten ´Performance´ der Arabidopsis-Keimlinge. Nicole´s beharrliches Testen und Optimieren der Anzuchtbedingungen hat sich gelohnt. Die Auswertung verspricht, weitere interessante Puzzlesteinchen zu liefern für die Aufklärung der Mechanismen der Schwerkraftwahrnehmung in Pflanzen. In  unseren Köpfen schwirren schon Verbesserungsvorschläge und neue Ideen für weitere Flugexperimente. Wir sind immer wieder erstaunt, wie man mit einem geschickten Experimentaufbau selbst mit diesen relativ kurzen Phasen von Mikrogravitation so aussagekräftige wissenschaftliche Ergebnisse erhalten kann. Wir bedanken uns bei allen, die uns diese Experimentiermöglichkeit eröffnet und uns dabei immer nach Kräften unterstützt haben (DLR, Novespace, Flughafen Köln/Bonn, Sogerma, CEV... und immer wieder unsere Werkstatt). Wir machen weiter.

... ´Injection´ ´... ich will da sofort wieder rauf´ ...´Pull out´
 

27.05.2006+++ Loopings

gönne ich mir während meiner 300sten Parabelfluphase, dann geht es im Sturzflug gleich wieder in die Wissenschaft und zurück ans Rack. Die 12 Parabeln des Flugsamstags nutzen wir für Wachstumskontrollen an nicht-gravistimulierten Wurzeln, ein Kontrollexperiment, mit dem wir die Beschleunigungsabhängigkeit der verschiedenen Wachstumszonen unstimulierter Wurzeln untersuchen wollen.   

26.05.2006+++ Kontrollexperimente

waren eigentlich für den parabelfreien heutigen Freitag eingeplant: aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Gestern hatte sich pünktlich nach der letzten Parabel des dritten Flugtages das Netzteil unserer Experiment-Racks verabschiedet. Nun ist Jens auf Fehlersuche. Für die Flüge am Samstag und Sonntag müssen zumindest die Videoeinheiten wieder funktionieren. Wir nutzen die Zwangspause und grüßen herzlich unsere erfahrenen Mitflieger Claudia, die an ihrer Diplomarbeit im Forschungszentrum Jülich sitzt, und Christoph, der sich nun wissenschaftlich in Schweden betätigt, wo er dem Nobelpreis näher ist.

 

25.05.2006+++ Eine ´abgebrochene´ Parabel

gab es heute wegen kleiner technischer Schwierigkeiten, aber das hindert Jens keineswegs daran, seine 200ste Parabel zu feiern. Nicole bittet nach getaner Arbeit den Doc zum Tänzchen im Free-Floating Area. Unsere Wurzeln machen trotz Feiertag mit und produzieren formvollendete Krümmungen. Die Festplatten sind nun randvoll. Bis zu den Flügen am Wochenende werden wir tüchtig Daten auf DVDs brennen müssen.  

... Nicole´s Tänzchen mit dem Doc ...  Jens feiert seine 200ste Parabel ... Abschied von einigen Experimenten
 

24.05.2006+++ Der Himmel über Berlin

musste heute für die Parabelflugmanöver des zweiten Flugtages herhalten, weil es über der Nordsee zu stürmisch war. Leider war aber auch das Berliner Areal nicht allzu parabelflugfreundlich und so klein, dass wir fast 2,5 Stunden für die 31 Parabeln herumkreisen mussten. Aber die Schwerelosigkeit lässt uns großzügig über solche Kleinigkeiten hinwegschauen. Auch unsere Arabidopsis-Wurzeln scheinen sowohl die Drogenbehandlung vor dem Flug als auch die holprigen Flugphasen gut verkraftet zu haben. Übrigens: an der Decke gehen klappt auch in Schwerelosigkeit nur bedingt. Auch hier gilt: Action = Reaction.

... Andreas unter Drogen (?) ...  Keimlinge unter Drogen (!) ... immer an der Decke lang
  

23.05.2006+++ Schwarze Wolken und Sonnenschein

am ersten Flugtag widerspiegeln auch die Gefühle der Experimentatoren. Während einige arg gebeutelte Probanden noch bei der Nachbesprechung etwas grün im Gesicht sind, haben die Erfahreneren, wie Jens und Andres, trotz konzentrierter Arbeit auch viel Spaß gehabt und das Gefühl schwerelos zu sein, so richtig genossen. Wir können beim ´Debriefing´ zufrieden berichten, dass beide Mikroskopeinheiten prima funktionierten und dass den fast 1800 Arabidopsiskeimlingen so richtig nach Krümmungswachstum zumute war. Ein daten- und erfolgreicher erster Flugtag!   

... thumps up - äh down ..? ... welcome back ... besser immer eine Hand am Rack
 
19.05.2006+++ Safety Introduction

steht wie immer am Tag vor dem ersten Flugtag auf dem Progamm und wir können immer noch über die uns schon wohlbekannten Scherze vom Cabin-Chief Alain und Flugkapitän Gilles le Barzic schmunzeln, die die nervöse Anspannung der ´Erstflieger´ etwas zu lockern vermögen. Auch die Worte des Bordarztes ... when hypergravity, then don´t move your head... sollte man sich gut einprägen. Der Airbus wird noch einmal auf gründlich durchgecheckt, bevor es für Jens und Andres morgen früh wieder heißt: .. 30... 40... pull up .... Injection..    

... den richtigen Riecher für perfekte Parabeln ... das Bugrad zittert bei jeder Windböe
 
19.05.2006+++ Fasziniert von Zero-G

sind die Zuschauer auf der ILA in Berlin und der Strom von Besuchern, die einen Blick in unseren Parabelflieger werfen möchten, reißt nicht ab. Ebenso geduldig wie enthusiastisch versuchen die Parabelflug-Projektleiterin Frau Dr. Ulrike Friedrich und unser Flugkapitän Gilles le Barzic im TV-Interview und wir im Airbus, das Gefühl, schwerelos zu sein, für das Publikum in Worte zu fassen. Die häufigste Frage danach: wie kann man denn dabei noch wissenschaftlich experimentieren? Aber auch wir sind fasziniert von der Vielfalt an Flugzeugen und von der größten Passagiermaschine der Welt - dem Airbus A380, der majestätisch an den staunenden Zuschauern vorbeirollt und elegant wie ein Albatrosse seinen Runden um den Flughafen dreht. Erschöpft und mit dem guten Gefühl, ein wenig von der Faszination und Nützlichkeit von ´Forschung unter Weltraumbedingungen´ vermittelt zu haben, hängen wir am Abend in den Sitzen des A300 Zero-G, der uns wieder zurück nach Köln bringt, von wo aus wir in der nächsten Woche endlich wieder Parabeln fliegen dürfen.

... ´schwerelos sein - das Gefühl ist unbeschreiblich´ ... der Besucherstrom auf der ILA in Berlin reißt nicht ab ... der A380 fliegt keine Parabeln

        

18.05.2006 +++ Labor mit Schlappohren

wie schnell man sich doch an seine neue Arbeitsstätte gewöhnen kann. Heute wurde unser Rack auf Herz und Nieren überprüft und für flugtauglich befunden. Wie bei allen Kampagnen vorher auch, wurde wieder vor allem unsere schwimmende Befestigung der Videomodule und Probenkammern skeptisch beäugt und befühlt. Für uns ist es aber äußerst wichtig, die heftigsten Schwingungen während des Flugs abzudämpfen. Morgen werden wir mit dem A300 ZERO-G nach Berlin zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung fliegen und unsere Experimente einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. 

...  herausgeputzt für die ILA in Berlin ... unter den kritischen Blicken von CEV
 

17.05.2006 +++ Last minute changes

kein Problem für unsere Feinmechanik-Werkstatt. Mit dem nötigen Humor und der Einsatzbereitschaft von Herrn Laubach und Torsten Frings sollten bis morgen früh auch die kleinen Probleme mit Vibrationen an den Videomikroskop-Haltern gelöst sein, die wir heute beim Probelauf festgestellt haben. Bis zum morgigen Safety Review muß alles einsatzbereit sein. Humor und viel gute Laune ist auch nötig, um nicht vor den 80 Petrischalen zu resignieren, die heute noch mit Agar gefüllt und mit jeweils 60 Arabidopsis-Samen bestückt werden müssen.    

... unser vertrauter Arbeitsplatz im Airbus ... Arabidopsis an Bord ... was tut man nicht alles für die Statistik

 

16.05.2006 +++ Rack Loading

ausgestattet mit leuchtend roten Warnwesten begleiten wir unser Rack zur Hebebühne und in den auf Hochglanz polierten Airbus A300 Zero-G. Die Befestigung des Racks in der Kabine und das Abpolstern aller Kanten sind für uns ´Frequent Flyer´ schon Routine. Aufatmen nach dem ersten Test. Alle Systeme haben den Transport heil überstanden.

... der A300 Zero-G ist da. Cheeeese ... nun gaaaanz vorsichtig bitte! ... und schön festziehen

 

15.05.2006 +++ Security First

unter dem Motto steht der Transport unseres Racks zum Terminal West des Flughafens Köln/Bonn. Wir meinten, dass unsere mühsam erstandenen Flughafenausweise uns Zugang gewähren würden, aber weit gefehlt. Nachdem Auto- Personen- und Gepäckkontrolle überstanden waren, wurden wir von einem Security Fahrzeug zum Terminal begleitet. So safety haben wir noch nie ein Experiment vorbereitet. Zum Glück waren wir rechtzeitig von der TEXUS 43 -Kampagne aus Kiruna zurück und auch unser Wunschrack für die 8. DLR Parabelflugkampagne ist tatsächlich fertig geworden und hat alle Tests bestanden. Morgen geht´s in den Airbus A300 Zero-G.   

...  es ist vollbracht - alles fertig! ... auf geht´s zum Flughafen Terminal West
 

04.05.2006 +++ der grüne Daumen

von Nicole hat dann doch über die Sturheit von Arabidopsis gesiegt. Die Samen keimen wunderbar. Die Wurzeln wachsen zügig und was am wichtigsten ist - die gravitropen Krümmungen nach zweistündiger 90 Grad-Stimulation sind recht einheitlich, die Krümmungswinkel hoch. Der Wechsel zu den kleinen Petrischalen hat sich gelohnt. Kein kompliziertes Sterilisieren der speziellen Plexiglaskammern mehr, hurra. Sogar die Behandlung der Keimlinge mit einer Aktin-zerstörenden Droge ist in den Petrischale viel einfacher. Unsere Flugexperimente werden uns Hinweise liefern, ob das Aktin-Cytoskelett der schwerkraftwahrnehmenden Zellen (Statocyten) bei der Aktivierung des Gravirezeptors eine wichtige Rolle spielt oder nicht - wir sind sehr gespannt. Auf Esrange bei Kiruna sitzen derweil Markus und Jens im Laborbereich des Launch-Area und haben die ersten Chara-Rhizoide unter dem Mikroskop. Gestern ist die MAXUS-7 Rakete mit einem Bilderbuchstart in den Himmel geschossen und nun ist der Weg frei für unsere kleinere TEXUS-43. Alles läuft im Moment nach Plan. Die ersten Rhizoide werden heute in das Nutzlast-Modul eingesetzt und Jens und Markus werden die Prozeduren zur Steuerung des Experiments üben und üben und üben, damit während der kurzen 6-minütigen Mikrogravitationsphase alle Handgriffe sitzen. 

... wie die Zinnsoldaten ... da geht´s lang
 

01.05.2006 +++ Jens´ Kolumne

Some like it hot!

Auch vor der nächsten Parabelflugkampagne sind eine Menge technischer Probleme zu lösen. Bei der letzten Kampagne im März in Bordeaux war es im Airbus morgens wieder einmal viel zu kalt. 10°C ist nun mal nicht die ideale Temperatur für Arabidopsis, erst recht nicht, wenn sich die Wurzeln auch noch zügig Krümmen sollen. Das Heizen mit einem Fön wurde von NOVESPACE nicht gerne gesehen und die eigene Körpertemperatur war morgens viel zu wertvoll, um sie an kaltes Aluminium abzugeben. Also muss eine Heizung her für alle Probencontainer, Videoboxen und die Zentrifuge. Als Heizelemente nutze ich Heizfolien, die über Temperatursensoren geregelt werden. Damit sich die Wärme schnell im Innenraum verteilt, sind die Folien mit einem Heizkörper und einem kleinem Radiallüfter gekoppelt. Somit kann nun jeder Raum, in der sich Proben befinden, auf lauschige 24°C geheizt werden. Nun sollten sich die kleinen Arabidopsiswurzel auch schon morgens im Flieger wohl fühlen.

Eine zweite Videobox muss her, um mehr Daten für die hochauflösende Krümmungsanalysen zu gewinnen. Also auch ein weiterer Laptop, Netzteile, eine Kamera, optische Systeme und noch ´ne ganze Menge Kabel mehr, die natürlich auch auf dem Rack untergebracht werden wollen.

Doch die zweite Kiste musste erst einmal gebaut werden. Hier nun großes Lob und Dank an Herrn Laubach und Torsten Frings, unsere Feinmechaniker, die es wieder einmal geschafft haben, in kürzester Zeit unsere Hardware zu bauen, und mich täglich mit meiner Ration Schrauben und Muttern zu versorgen! Die letzten Tage vor der TEXUS-Kampagne in Kiruna habe ich mit dem Aufbau der optischen Systeme, dem Einrichten der Hardware sowie der Integration auf dem Rack verbracht. Nun sind drei Laptops auf der oberen Ebene des Racks angebracht, mal ehrlich - das sieht doch ganz schön cool aus ;-). Auch die Entwicklung und Einrichtung der neuen Blitzschaltung hat Andres und mich ein paar schlaflose Nächte bereitet. Aber nun funktioniert auch das!

... noch ist Platz ... jetzt nicht mehr

Seit gestern bin ich aber erst einmal wieder mit Markus in Lappland. Im Laborbereich des Launch-Area auf ESRANGE versuchen wir Chara zur Produktion von Rhizoidzellen anzuregen, die wir auf der TEXUS-43 Rakete fliegen wollen. Hoffentlich klappt der Start am 8. Mai, damit wir rechtzeitig zur Parabelflugkampagne wieder am Flughafen Köln/Bonn sind.

28.04.2006 +++ Nicole´s Kolumne

Kann man vom Hantieren mit einer Pinzette Blasen bekommen, ich meine ja...  Die Bewegungsabläufe haben sich, was das routinemäßige Ansetzen für die bevorstehende Parabelflugkampagne in Köln angeht, in den letzten Tagen und Wochen nicht sehr verändert. Aber wir haben die Spezial-Plexiglasküvetten durch kleine Petrischalen ersetzt, deshalb heißt es wieder ansetzen und testen, testen ... Es erfordert schon einiges an Geduld und Ausdauer, von früh morgens bis spätabends Hunderte der winzigen Arabidopsis-Samen behutsam auf die Agarschicht in die Petrischalen zu plazieren. Ich lasse mich aber nicht unterkriegen und versuche jeden Tag auf’s Neue, möglichst viele Samen in eine Schale einzubetten, und diese zum Keimen und Gedeihen zu bekommen. Neben der Qualität der auskeimenden Arabidopsis-Wurzeln ist vor auch Quantität wichtig für eine gute Statistik. 

Erst vier Tage nach dem ersten Pinzettenstich und der Umsorgung der Arabidopsis-Keimlinge bei wohligwarmen 24°C und „Sonnenschein“ im Inkubator zeigt sich, ob meine Bemühungen und Blasen an den Fingern nicht umsonst waren. Schön wachsende Arabidopsis-Wurzeln erwartet dann das nächste Schicksal: die Bodenkontrollen, inklusive 1g-, 2g- und Inversionstests. Diese helfen uns bei der Interpretation der Flugexperimente. Und so bemühe ich mich in diesen Tagen noch so viele Daten wie nur möglich in den laufenden Vorexperimenten zu erhalten. Insgeheim freue ich mich dabei wieder riesig auf die Experimente im A300-Zero-G und auf die Chance, erneut der Schwerkraft zu entfliehen. Die Vorfreude auf dieses unbeschreibliche Ereignis und das Wissen, dass der Ansatz-Marathon seinen Teil zum Gelingen des Parabelflugexperiments beiträgt, lässt mich morgen früh erneut zur Pinzette greifen.

Ich werde in der kommenden Woche die Stellung im Labor halten, während Jens und Markus nach Schweden fliegen und auf Esrange bei Kiruna unsere Experimente auf der Forschungsrakete TEXUS- 43 vorbereiten, die am 8. Mai starten soll. Momentan ein ist also Stress angesagt, jagt doch eine Kampagne die nächste. Aber gerade das ist ja auch der Spass daran! Die Kampagne in Schweden wird für mich eine ganz neue Erfahrung sein. Was das Ansetzen von Chara-Rhizoiden, unseren Versuchsobjekten auf TEXUS, betrifft, so wird das auf jeden Fall die reinste Erholung von den oben beschriebenen Vorbereitungen für den 8. DLR-Parabelflug Mitte Mai. Lappland, ich komme ...

Nicole-Pinzette1 Nicole-Pinzette2

Jens-Bohren
 .. Nr. 8997 .. Nr. 8998...  ´...grrr blödes Unkraut´ ... Kabelsalat und Durchblick ..Loch an Loch und hält doch

 

 

20.04.2006 +++  Noch komplizierter und hektischer als sonst

gestalten sich die Vorbereitungen für unsere nächste Parabelflugkampagne, die im Mai in Köln stattfindet. Diesmal konzentrieren wir uns nur auf Arabidopsis-Keimwurzeln. Wir wollen aber nicht nur die Krümmungsreaktionen am Ende des Experiments dokumentieren, sondern diese auch mit hochauflösender Videomikroskopie verfolgen. Wir sind gespannt, ob wir Effekte der verschiedenen Beschleunigungen auf die Wachstumskinetik oder die Krümmungsreaktion messen können. Die besondere Herausforderung: ein zweites Videomodul muss in wenigen Tagen von unserer Feinmechanik-Werkstatt angefertigt, von uns getestet und auf das Rack montiert werden. Das erfordert einen weiteren umfangreichen Umbau des Racks, dessen Aluminiumplatten so langsam einem Schweitzer Käse ähneln. Achim Walter, Andres Chavarria-Krauser und Andreas Fischbach vom Forschungszentrum Jülich unterstützen uns wieder mit Know-How, hochauflösenden Kameras und ausgefeilter Blitzlichtbeleuchtung. Nur durch eine solche Infrarot-Blitzbeleuchtung können wir trotz der starken Vibrationen und Beschleunigungswechsel perfekt scharfe Bildserien aufnehmen. Aus einem Notebook sind nun schon drei geworden, die wir wegen akuten Platzmangels auf der Deckplatte des Racks befestigen müssen. Zu allem Überfluß werden wir Anfang Mai erst einmal nach Kiruna fliegen und dort Experimente auf einer Forschungsrakete (TEXUS 43) durchführen. Hoffentlich sind wir rechtzeitig zurück!

 

 ... mal wieder gestrippt  ... Videomodul so allein  ... Jens kreativ ... Nicole belichtet

 

 

 

Wissenschaftliche Zielsetzung

Um die optimale Ausrichtung ihrer Organe zu kontrollieren und unerwünschte Lageveränderungen wahrnehmen und korrigieren zu können, bedienen sich Pflanzen des einzig konstanten und verläßlichsten Umweltparameters, der Schwerkraft. Das Schwerkraft-orientierte Wachstum (Gravitropismus) ist ein überlebenswichtiger Mechanismus, der dafür sorgt, dass Wurzeln in den Boden wachsen, um die Pflanze mir Wasser und Mineralstoffen zu versorgen und dass Sprosse entgegen der Schwerkraft zum Licht wachsen, um durch Photosynthese energiereiche Moleküle zu produzieren. Ebenso richten sich Getreidehalme, die durch Sturm niedergedrückt wurden, durch einen Schwerkraft-orientierten Prozess wieder auf, so dass die Frucht nicht auf der Erde verfault.

Zentrales Element der Schwerkraftwahrnehmung ist der Schwerkraft-Rezeptor, der in spezialisierten Zellen einen physikalischen Stimulus (die Schwerkraft-orientierte Sedimentation schwerer Partikel, sog. Statolithen) in ein physiologisches Signal umwandelt, das schließlich zur Umorientierung der Wachstumsrichtung führt. Zwar ist die molekulare Natur des Rezeptors noch unbekannt, doch der Funktions- und Aktivierungsmechanismus des Rezeptormoleküls lässt sich mit Parabelflugexperimenten gut untersuchen. Das Beschleunigungsprofil des Parabelflugs bietet die denkbar besten Bedingungen für Untersuchungen, die zeigen werden, ob es sich bei dem Schwerkraftrezeptor der Höheren Pflanzen um eine Art von Mechanorezeptor handelt, der wie ein Druckschalter funktioniert und durch das Gewicht der Statolithen oder durch Statolithen-vermittelten Zug aktiviert wird,  oder ob ein Kontakt mit den Statolithen über molekulare, physiologische oder elektrische Wechselwirkungen den Rezeptor aktiviert (Kontaktrezeptor). Das Experiment wird zeigen, ob Statolithen, die während der kurzen Mikrogravitationsphasen von jeweils 22s schwerelos sind, die Schwerkraftrezeptoren weiterhin aktivieren oder nicht. Durch den Einsatz hochauflösender Videomikroskopie soll zudem der Schwerkrafteinfluss auf die Wachstumsreaktionen untersucht werden.

Pictogramm Gravitrope Reaktionen

Gravitrope Korrekturen der Ausrichtung von Wurzeln und Sprossen. Arabidopsis thaliana (links),  Sonenblume  (rechts oben) und Kresse (rechts unten)

 

 

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Experimentbeschreibung

Bei diesem Parabelfugexperiment konzentrieren wir uns erstmals ausschließlich auf Schwerkraftreaktion von Arabidopsis-Keimlingen. Im Verlauf der 2-stündigen Parabelflüge des Airbus A300 Zero-G werden die Keimlinge durch Horizontallagerung gravistimuliert und erfahren in dieser Orientierung die alternierenden Phasen von Hypergravitation, Mikrogravitation und normalen 1g-Bedingungen. Die Krümmungswinkel der Flugproben werden verglichen mit den Krümmungswinkeln von Kontroll-Proben in der 1g-Referenz-Zentrifuge, die während der Mikrogravitationsphasen mit 1g zentrifugiert werden, ansonsten aber die gleichen Flugbedingungen (Hyper-g und 1g) erfahren. ein Vergleich der Krümmungswinkel von Flug- und Kontrollwurzeln können wir auf den Aktivierungsmechanismus des Gravirezeptorproteins schließen. Fallen die Krümmungsreaktionen bei Flugproben deutlich geringer aus, deutet dies auf einen klassischen Mechanorezeptor hin, der deaktiviert wird, wenn die Statolithen während der Mikrogravitationsphasen kurzzeitig schwerelos sind und keinen Druck auf den Rezeptor ausüben. Sehr ähnliche Krümmungsreaktionen sprechen dagegen für einen Kontaktrezeptor, dessen Aktivierung auf dem Kontakt mit der Statolithenoberfläche, nicht aber auf dem Gewicht der sedimentierten Statolithen beruht. Erste Vorexperimente von früheren Parabelflügen lassen vermuten, dass der Wechsel von Mikro-g, Hyper-g und 1g die Wurzelkrümmung eher stimuliert als verringert.

Diese Hypothese wollen wir nun gründlich überprüfen. Dazu werden auch erstmal zwei Videomikroskopie-Module auf das Rack montiert, die eine räumlich und zeitlich hochaufgelöste Videodokumentation des Wurzelwachstums erlaubt. Über digitale Bildauswertung können wir so in Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich erstmals auch präzise Aussagen über die Änderungen der Wachstumskinetik und der Schwerkraftantwort (Graviresponse) von Arabidopsis-Wurzeln in Abhängigkeit von den Beschleunigungsphasen des Parabelfluges treffen.

 

Literatur:

Limbach et al. 2005 (Plant Physiol 139)

Bild der Wissenschaft 5/2006 S. 40-45

 Experiment-Rack

CHARABOLIX 5

Frontansicht

Parabelflugrack schematisch

Skizze Frontansicht des Charabolix 5 Rack

 

 

 

 

 

 

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 Wir danken der

Feinmechanik Werkstatt IMBIO

für die  unermüdliche Unterstützung unseres Projektes !!!