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+++ INFORMATION - Sounding Rockets +++

TEXUS/ MAXUS ("Forschung mit Knall im freien Fall")

Sounding Rocket Flüge - Forschung in Mikrogravitation

Wozu der ganze Aufwand? Das TEXUS / MAXUS Parabelflugprogramm bietet Wissenschaftlern aus vielerlei Sparten einzigartige Gelegenheiten, schwerkraftabhängige physikalische, chemische und biologische Prozesse in einer nahezu reizfreien Umgebung kostengünstig zu studieren. Die relativ kurzen Mikrogravitationszeiten von 6 - 13 min sind für manche Experimentatoren sogar wertvoller und effizienter als tagelange Aufenthalte im All. Besonders die kurzfristige Experimentplanung, die zügige Hardware-Entwicklung und Experiment-Vorbereitung sind in der heutigen, unglaublich schnell fortschreitenden Wissenschaft von immensem Wert. Hervorragend aufeinander eingespielte Teams von Astrium-Space (ehemals ERNO), Kayser-Threde, Moraba (Mobile Raketenbasis der DLR) und der schwedischen Space Cooperation (SSC) sorgen für einen fast immer reibungslosen Ablauf aller Projektphasen.

Rauf und Runter im "Freien Fall"

Der Raketenmotor beschleunigt die Nutzlast im Fall der MAXUS-Rakete auf ca. 3.600 km/h und trägt sie auf eine Höhe von 70 km, bevor er ausbrennt und abgeworfen wird. Danach fliegt die Nutzlast weiter auf eine maximale Höhe von 720 km. Vom Moment des Ausbrennens bis zum Erreichen der maximalen Fluhöhe und weiter bis zum Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ist die Nutzlast und alle darin befindlichen Gegenstände fast schwerelos. Der Grund ist: sie alle "fallen" parabelförmig aufwärts und dann abwärts ohne nennenswerte Beschleunigung. Es gibt ausserhalb der Erdatmosphäre auch so gut wie keinen Lufwiderstand, der den Fall bremst.
Wissenschaftler sprechen nicht von Schwerelosigkeit, sondern von Mikro-gravitation, weil stets Restbeschleunigungen wirken. Da diese in der Regel aber weit unterhalb der kritischen Grenzen für die meisten biologischen, physikalischen oder chemischen Prozesse liegen, sind diese Störungen meist zu vernachlässigen. Mit dem Wiedereintritt der Nutzlast in die Erdatmosphäre ist die Mikrogravitationsphase beendet und die Proben werden kräftig durch-gerüttelt. Die Nutzlast sinkt am Fallschirm zu Boden. Zunächst werden die Experiment-einschübe - meist innerhalb einer Stunde - geborgen und mit dem Helikopter nach Esrange zurückgebracht. Danach erfolgt auch der Rücktransport der restlichen Nutzlast. In den Laboren auf Esrange können dann weitere Analysen der Proben durchgeführt werden.
Siehe Gravitationsbiologie und Space Shuttle Flüge für eine Übersicht über weitere Methoden der Mikrogravitationsforschung, die wir nutzen.

ESRANGE - der perfekte Startplatz in der arktischen Wildnis

MAXUS 5 wird, wie die anderen MAXUS-Raketen und zahlreiche TEXUS-Raketen der ESA von ESRANGE, nahe Kiruna inmitten arktischer Seen und Wälder im nördlichen Schweden gelegen, aus gestartet. Von einer Vorläuferorganisation der ESA 1966 gegründet, wird die Range heute von der Swedish Space Corporation betrieben und von der ESA und einigen nationalen europäischen Weltraumorganisationen, wie z.B. dem DLR für viele wissenschaftliche Forschungskampagnen genutzt. Die Sounding Rocket Kampagnen sind nicht die einzigen, sicher aber unter den spektakulärsten der Range.
Die arktische, fast menschenleere Wildnis ist eine der wenigen Regionen, die als Landeareal (ca. 9000m² erforderlich) geeignet sind. Die Nutzlasten mit den Experimentmodulen sinken am Fallschirm zu Boden (meist öffnet dieser auch) und können recht schnell und einfach durch Helikopter geborgen und zur Range zurückgeflogen werden.

Die bei aller genialen Professionalität stets ungezwungene und lockere Atmosphäre wird nur gelegentlich durch das Wetter getrübt, wenn es nervenzehrende und schlafraubende Startverschiebungen erforderlich macht. Besonders bei uns Wissenschaftlern liegen schon mal die Nerven blank, wenn nach zeitaufwendiger Präparation der Proben der Countdown zum wiederholten Male gestoppt wird, die Proben so langsam ausgehen, die Zellen absterben oder die Technik den Geist aufgibt. Erfahrungsgemäß hilft dann nur noch, auf die Prognosen und die unerschütterliche Zuversicht von Chefingenieur Herrn Grothe zu vertrauen und sich die Langlauf-Skier unterzuschnallen, einige Runden durch die einsame, verschneite Landschaft zu drehen, wo man gelegentlich einem Fuchs und Rentieren begegnet.




 
 

© Institut für Molekulare Physiologie und Biotechnologie der Pflanzen IMBIO, AG Gravitationbiologie  ( © Fabian A. Paul )