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+++ Aktuelle Parabelflugkampagne +++

 

Einfluss von Mikrogravitation auf die Lage sedimentierter
Statolithen in schwerkraftwahrnehmenden Zellen
Höherer Pflanzen im Parabelflug

Tagebuch der Kampagne  -  [ Seite 1 ]  -  [ Seite 2 ]

18.02.2009 + + + Einbettung u. Schneiden von 300 Wurzelspitzen + + +

 

Die eigentliche Kampagnenarbeit liegt erfolgreich hinter uns. Nun beginnt die aufwendige und zeitintensive Aufbereitung der fixierten Proben. Seit Sonntag, einen Tag nachdem wir die anstrengende Rückfahrt von Frankreich nach Deutschland hinter uns gebracht haben, arbeitet Charlotte schon wieder unermüdlich im Bonner Labor. Es bedarf viel Durchhaltevermögen und Begeisterung für die Sache, um Hunderte von Wurzelspitzen schonend zu entwässern und anschließend in ERL (Epoxy Resin Low Viskosity) einzubetten. Elena, eine Laborblock-Studentin unserer Gruppe, Kathi und Nicole unterstützen Charlotte bei der vielen Pipettierarbeit, so dass die Einbettung der vielen Proben zügig vorangeht.

Charlotte und ihre Kolleginnen werden schließlich von ersten Erfolgs-erlebnissen belohnt: das Ergebnis der ersten Schnitte am Mikrotom lässt alle aufatmen. Die viele Arbeit der letzten Wochen hat sich gelohnt! Die Fixierung der Proben hat sehr gut geklappt. Die Wurzelspitzen lassen sich gut schneiden. Der weiteren Auswertung der Schnittbilder steht nichts mehr im Weg.

12.02.2009 + + + 3. Flugtag + + +

 

Zum letzen Mal in der Morgendämmerung aufstehen und los zum Flughafen. Jens und Charlotte packen schon unsere Ausrüstung zusammen, während Nicole und Kathi diesmal in den Flieger steigen dürfen und so wenigstens üben den Wolken in den Genuss von etwas Sonne kommen. Für Kathi ist es der zweite Flug und sie freut sich, das Gefühl des Schwebens und der Schwerelosigkeit wieder auffrischen zu können. Auch Nicole genießt den Flug und zwischen den Fixierungen ist ausreichend Zeit, fliegende Senklote, Bananen und Äpfel zu bestaunen und sich von unserem Cabin Chief Alain in der Free-Floating Zone drehen zu lassen.

Nachdem unser Pilot Stéphane sich vergewissert hat, dass wir wieder sicher auf französischem Boden gelandet sind (siehe Bild), mobilisieren wir die letzten Kräfte für die anstehende Laborarbeit. Die letzten Wurzelspitzen werden genauso sorgsam geschnitten wie am ersten Flugtag. Am späten Nachmittag packen wir schließlich unsere Ausrüstung zusammen und verabschieden uns von Novespace. In unserem Appartement in Ares lassen wir den Abend mit einer gemütlichen Bildershow ausklingen uns stoßen noch einmal mit unseren Kollegen aus befreundeten Gruppen auf die 13. DLR Kampagne an.

11.02.2009 + + + 2. Flugtag + + +

 

Heute hieß es wieder einmal um 4:30 Uhr aufstehen, Frühstücken und unsere Proben einpacken, bevor es wieder zum ca. 40km entfernten Flughafen von Merignac ging. Am heutigen zweiten Flugtag flogen Charlotte und Jens mit der Aufgabe, unsere Proben zu den festgelegten Zeitpunkten im Parabelflug zu fixieren. Um 8:00 Uhr gab es vom Flugarzt noch ein Zettelchen, mit welchem man sich dann im Medical Room eine Spritze mit Scopolamin geben lassen konnte. Scopolamin hat unter anderem die Eigenschaft auch gegen "Motion sickness" zu helfen. Es wird aus Stechapfel gewonnen und wirkt als Injektion schneller als Tabletten, die eine Alternative in der Darreichungsform sind. 9:25 Take off.

Für Charlotte war es der erste Parabelflug. Nach der ersten Parabel und der ersten Fixierung hatte sie zusammen mit Jens etwas Zeit, um sich mit dem ungewohnten Gefühlszustand der Schwerelosigkeit vertraut zu machen – siehe Bild! Doch auch für einen Vielflieger wie Markus war dieser Flugtag etwas ganz besonderes, da er an diesem Tag seine 500ste Parabel geflogen ist! Die bronzene Medaille, die man sich mit 500 Parabeln erarbeitet, liegt schon für ihn bereit. Kathi und Nicole werden morgen den dritten Flugtag bestreiten und die letzten Arabidopsis Wurzeln fixieren. Dann haben wir es geschafft und werden uns wieder mit dem Gedanken vertraut machen müssen, die schöne Gegend um Bordeaux zu verlassen.

10.02.2009 + + + 1. Flugtag + + +

 

… und es geht schon wieder los! Nicole und Markus haben heute die Ehre, den ersten Flugtag einzuläuten. Zusammen mit Katrin, einer Journalistin, die sich sehr für unsere Arbeit interessiert und gerne einen Artikel über uns schreiben möchte, betreten wir unseren geliebten Zero-G. Bereits während der ersten Parabel müssen die Handgriffe sitzen für die ersten Fixierungen. Wir bleiben konzentriert und arbeiten uns tapfer durch die Prozedur. Zwischendurch haben wir natürlich auch Zeit für ein bisschen Free-Floating: immer noch ein unglaubliches Erlebnis, auch wenn wir nun schon öfter dabei waren. Auch Katrin genießt als Erstfliegerin den Flug ohne die gefürchtete Motion-Sickness.

Ein kleiner Zwischenfall: eine Fixiereinheit ist undicht und die Fixierlösung tropft ein wenig aus der Küvette. Für Sicherheit ist jedoch durch das Second Containment gesorgt. Wir können schließlich alle Proben erfolgreich fixieren. Die Bergung unserer Arabidopsis Wurzeln erfolgt im Labor. Hunderte von fixierten Wurzeln müssen vom Filterpapier getrennt werden und zur Lagerung in kleine Gläschen mit Wasser überführt werden. Während der Nach-bearbeitung der Proben läuft bereits die Vorbereitung für den kommenden Flugtag, auf den Jens und Kathi sich schon riesig freuen.

08.02.2009 + + + Rugby zur Abwechslung + + +

 

An dem heutigen Sonntag genießen wir noch einmal die letzten Freizeitstunden vor der anstehenden Flugwoche. Kathi und Nicole machen zusammen mit Kathrin, Astrid und Vanja eine Tour nach Arcachon. Wir haben von einem Novespace Mitarbeiter den Tipp bekommen, dass dort ein spannendes Rugby Spiel stattfindet: Arcachon versus Souston. Arcachon ist als Gastgeber des Spiels der gegnerischen Mannschaft haushoch überlegen. Das Spiel endet mit 77-0 für Arcachon. Die einheimischen Franzosen sind entsprechend gut drauf. Wir beschließen, an diesem eisigen Sonntag weiterzuziehen und fahren weiter in Richtung Dune de Pyla, der größten Wanderdüne Europas. Um uns etwas aufzuwärmen, erklimmen wir die Düne in großen Schritten und werden mit einem wunderschönen Ausblick über das Bassin d’Arcachon belohnt.

07.02.2009 + + + Ausflug nach Bordeaux + + +

 

Nach 3 Tagen fleißigen Arbeitens und nachdem unsere Samen angesetzt und versorgt sind, genießen wir unseren wohlverdienten Ausflug nach Bordeaux mit befreundeten Gruppen aus Zürich und Köln. Charlotte, Kathi, Astrid, Vanja und Katrin sehen sich die Börse am Ufer der Garonne an. Bei sehr erfrischenden Temperaturen geht es nach einem wärmenden Tee und einem Sonnenbad weiter zur Kathedrale, zum Rathaus und in bunte Seiten-gassen mit international-touristischem Flair. Mit leckeren Mitbringseln eingedeckt und für die nächsten Tage gestärkt, gilt zurück im Apartment der erste Blick unseren anvertrauten Pflänzchen, die regelmäßig Zuwendung in Form von Wasser, Luft und ... bekommen. Dank Jens, der uns mit leckeren Gerichten versorgt, kommt auch unser leibliches Wohl nicht zu kurz.

06.02.2009 + + + Sonnenuntergang auf Französisch + + +

 

Der Mond steht über dem Airbus A 300 ZERO-G, während uns die Sonne an diesem herrlichen Tag ins Gesicht scheint. Es sind angenehme 15°C, anders als in Bonn, wo wir noch mit Schneeregen und kaltem Wetter vor drei Tagen gestartet sind. Unser Rack ist nun auch schon in das Flugzeug eingebaut worden und wir haben die letzten Arbeiten an diesem Tag beendet, so dass wir uns noch einen kleinen Ausflug an den Atlantik gönnen. Der traumhafte Sonnenuntergang am Strand entschädigt uns für die anstrengende Vorbereitung und die lange Anreise.

05.02.2009 + + + Angewandte Physik !!! + + +
 

Das Ansetzen der Arabidopsis Proben ist unser „Butter und Brot“ Geschäft in den nächsten Tagen. Über 50 Küvetten, die bereits bei Sounding Rocket Experimenten gute Dienste geleistet haben, müssen gereinigt und bei der Montage mit Gummidichtungen und Plexiglasfenstern versehen werden. Viele hunderte Arabidopsis Samen werden sorgfältig in den Küvetten platziert. Wir sind bis zu den Mittagsstunden beschäftigt. Danach treten wir die Fahrt zum Flughafen an, um vor Ort im Zero-G die Prozeduren für die Flugtage zu üben.

 

Auch bei guter Vorbereitung und Planung, kommt es selbst bei uns „alten Hasen“ vor, dass wir wichtige Laborutensilien vergessen. Wir finden den Handgriff unserer treuen Handzentrifuge nicht wieder. Für uns, die sich als erfahrene Gravitationsbiologen mit den Gesetzen der Zentrifugalkraft bestens auskennen, ist dies jedoch kein Problem. Ein Schnürsenkel von Katharina, ein Reagenzglas und das wie immer omnipotente graue Klebeband wurden zu einer einfachen „Handzentrifuge“ zusammengebaut. Jens hat jeden Morgen die sportliche Aufgabe, unsere Arabidopsis Samen mit diesem selbstgebauten Tool abzuzentrifugieren. Angewandte Physik – siehe Video!


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04.02.2009 + + + Voodoo-G bei der 13. DLR Kampagne+ + +
 

Endlich angekommen! Nach 1.160km, 12 Stunden Fahrt, einer großen Packung BiFi, unzähligen Müsliriegeln und wenig Schlaf sind wir heute in Merignac am Flughafen angekommen. Unser aktuelles Maskottchen „Voodoo-G“ hat uns dabei treu begleitet und schaut nun mit uns zusammen erwartungsvoll in Richtung Airbus A300 Zero-G, der im Hintergrund der neuen Integrationshalle der Firma NOVESPACE steht. Während wir uns über unsere Ankunft freuen, schwebt die Zahl 13 über dieser Parabelflug-kampagne. Ob alles gut gehen wird? Wird unser Experiment erfolgreich sein?

Und wie es bei so mancher unserer Kampagnen der Fall ist, steckt der Teufel im Detail. Der Personenschutzschalter im Stromverteiler hatte den Geist aufgegeben und wurde direkt von uns ausgetauscht. Einer erfolgreichen Endabnahme durch unseren Sicherheitsingenieur Yannick Bailhé stand dann nichts mehr im Wege. Das Rack wurde anschließend sorgsam mit Isolationsmaterial verpackt, um alle scharfen Ecken und Kanten zu polstern. Es ist nun Nachmittag und wir haben unsere Unterkunft noch nicht gesehen. Nach getaner Arbeit bei Novespace freuen wir uns auf die Weiterfahrt zu unserem Appartement nach Arés.


 

Arbeitsgruppe

PD Dr. Daniela Grimm

 

 Wir danken der
Feinmechanik Werkstatt IMBIO
für die unermüdliche Unterstützung
unseres Projektes !!!

 

FAU Erlangen-Nürnberg

Forschung in Schwerelosigkeit




© Institut für Molekulare Physiologie und Biotechnologie der Pflanzen IMBIO, AG Gravitationbiologie  ( © Fabian A. Paul )